Ceci n’est pas moi

tag10

Der letzte Tag der Installation: Ausnahmsweise wurden die Rollläden am gestrigen Tag früher geöffnet und das Bild des Abschlusstages enthüllte sich. Diesmal gab es aber nicht etwa eine oder zwei Personen zu sehen, sondern vielmehr tausende von lebenden Mehlwürmern. Zu einem Drittel war die Box gefüllt, in der Mitte stand eine Urne, die sich fortwährend drehte. Zum Teil wurde das Bild von klassischer Musik, die aufmerksamen Zuschauer*innen und Zuhörer*innen noch vom ersten Tag des Projektes bekannt gewesen sein dürfte, begleitet. Immer wieder hörte man aber auch verstärkt die Geräusche der kriechenden Mehlwürmer im Glaskasten, ein Geräusch, das in Kontrast zur harmonischen, klassischen Musik stand.

Wie immer zog es viele Zuschauer*innen an die Box, tatsächlich waren aber hauptsächlich die Mehlwürmer Thema ihrer Gespräche. Immer wieder waren Sätze wie „Ist ja ekelhaft“, „Igitt, das sind ja lebende Würmer“ oder „Bah, das ist ja widerlich“ zu hören. Die Menge an Würmern war für viele Menschen unerträglich, sie konnten sich das Bild nur aus der Ferne ansehen.

Viele aber traten auch näher heran, um sich das Geschehen direkt anzuschauen. Die Glaswand, die sie von den Würmern trennte, schien auf viele Passant*innen beruhigend zu wirken und nahm ihnen ihre Scheu.

Zahlreiche Zuschauer*innen waren nicht damit einverstanden, die Tiere dort auf diese Art und Weise einzusperren, da sie annahmen, dass die unteren durch das Gewicht der oberen zerquetscht wurden. Eine Frau meinte, ohne sich der Bedeutung dieses Satzes im Weimarer Kontext in diesem Moment wohl bewusst gewesen zu sein: „Man hätte die ja wenigstens vorher vergasen können, das wäre nicht so qualvoll für sie gewesen.“ Jemand anderes fragte sich, was PETA wohl von der Aktion halten würde.

Der Begleittext wurde zwar gelesen, doch bis auf kurze Bemerkungen wie „Das soll also die Vergänglichkeit darstellen“ oder „Die Würmer stehen für die Zersetzung, wenn man stirbt“, hatten besonders wenige Weimarer*innen zu diesem Bild eine starke Meinung oder setzten sich näher damit auseinander.

Zur selben Zeit fand im Deutschen Nationaltheater auch die Abschlussdiskussion zum Thema statt, bei der der Künstler Dries Verhoeven, drei Expertinnen und Interessierte über die vergangenen Tage diskutieren konnten.

Photo von Thomas Müller

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s