Ceci n’est pas de l’art

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Noch bevor sich am gestrigen Tag zum ersten Mal die Rollläden der Box öffneten, gab es eine erste Beschwerde. Eine ältere Dame hatte gehört, dass in der Box nackte Menschen gezeigt werden sollen. Davon würde sie ja gar nichts halten, vor allem doch nicht so nah am Goethe-und-Schiller-Denkmal, dafür gäbe es doch wohl einen besseren Platz.

Es scheint in Weimar und Umgebung also schon über die Installation diskutiert worden sein, davon zeugte auch das rege Medieninteresse am ersten Tag. Fernsehen und Radio waren ebenso gespannt wie die Weimar Passant*innen, was sich denn nun hinter den Rollläden verbirgt.

Als diese schließlich zum ersten Mal hochfuhren, sah man einen Mann in Uniform, der mit zwei Hämmern auf eine Trommel einschlägt. Zuerst nur leicht, dann immer stärker, bis er schlussendlich die ganze Trommel zerstört hatte. Nach und nach wurden so an diesem Tag mehr als ein Dutzend Trommeln zerstört. Neben dem Lärm, der dabei entstand und weit über den Platz hinaus schallte, wurde die Szene gelegentlich mit klassischer Musik untermalt.

Der wohl am häufigsten gefallene Satz in verschiedensten Variationen war: Das ist Kunst? Ist das Kunst? Das soll Kunst sein? Begleitet wurde er oft von unverständlichem Kopfschütteln und ungläubigen Gesichtern, manche Zuschauer*innen brachten ihre Skepsis gegenüber der Installation aber auch deutlicher zum Ausdruck. Es fielen beiläufige Kommentare wie „Der tickt doch nicht richtig“, „Was ein Scheiß“ oder „Das ist keine Kunst, das ist Zerstörungswahnsinn“. Manche Zuschauer*innen machte die Installation aber auch wütend: „Das ist keine Kunst, das wird erst Kunst, wenn ich ihm mit seinem Hammer selbst auf den Kopf haue“ oder „Der Künstler ist doch ein Fall für den Psychiater, bei der ganzen Zerstörung in der Welt sollte doch lieber Harmonie geschaffen werden“.

Immer wieder gab es auch Beschwerden über die Zerstörung von Musikinstrumenten, die anderswo doch dringend gebraucht werden. In einer so musikaffinen Stadt wie Weimar stören sich anscheinend viele Menschen daran, dass etwas, was sie für ihre Kunst benötigen, gleichzeitig im Namen der Kunst zerstört wird.

Neben den vielen ablehnenden und zweifelnden Meinungen zur Installation gab es aber immer wieder positive Stimmen. Zwei Frauen schätzten insbesondere den Austausch, der zwischen den Zuschauer*innen entsteht, wenn Kunst im öffentlichen Raum ausgestellt wird.
Nach dem aufmerksamen Lesen des Begleittexts verließ ein Herr den Platz und stimmte dem Gelesenen lauthals zu: „Dem kann ich nur zustimmen, genauso ist es!“. Die Installation scheint bei ihm einen Nerv getroffen zu haben.

Viele Menschen waren in Sorge um den Performer, fühlten mit ihm mit und erkannten die harte Arbeit, die er leistet, an: „Macht er gut, der Junge.“

Eine Frau brachte wohl das auf den Punkt, was viele Passant*innen fühlten: „So doof, dass man irgendwie gar nicht anders kann als zuzugucken, oder?“ Selbst diejenigen, bei denen die Installation auf Ablehnung stieß, blieben dennoch stehen und beobachteten die Geschehnisse. Die Installation zog die Blicke auf sich und die Zuschauer*innen in ihren Bann, ganz gleich, ob man das Gezeigte guthieß oder nicht.

Aber nicht nur das, was in der Box stattfand, sorgte für Diskussionen, auch die Box an sich wurde kommentiert. Gerade für Kinder war die Frage interessant, wie der Performer überhaupt in die Box gekommen ist oder wo er seine Trommeln herbekommt.

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie die Reaktionen in den nächsten neun Tagen ausfallen werden. Heute um 14 Uhr geht es weiter mit dem zweiten Bild.

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Photos von Candy Welz

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