Tag 1 (Prolog)

Ceci n’est pas de l’art*

Die Überzeugung, dass Kunst unaufhörlich ihren Wert durch die Zerstörung existierender Konventionen neu definieren muss, lässt sich durch die ganze Kunstgeschichte hindurch beobachten. In Weimar lassen sich Beispiele dafür in der „Sturm und Drang“-Periode von Goethe und Schiller sowie in der Art und Weise, in der das Bauhaus Stellung gegen vorherrschende Auffassungen in Architektur und Design bezog, finden. Die Figur des Künstlers als destruktive Kraft hatte u.a. unter Einfluss der Punk- und Hausbesetzerbewegung in den 1970er und 1980er Jahren Konjunktur. Er galt als Sprachrohr einer Generation, die sich gegen das Establishment, die bürgerliche Moral und die herrschende Kultur auflehnte.

Diese Form der Revolte ist inzwischen institutionalisiert. Seit den 1990ern sind alternative Einrichtungen und Stiftungen, die sich der Förderung von Kunst widmen, Teil des wirtschaftlichen Systems. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass das Bedürfnis der Bevölkerung, gemeinsam auf die Barrikaden zu gehen, abgenommen hat. Momentan gibt es ein wachsendes Bedürfnis nach Schönheit, Konzeptkunst und Unterhaltung.

* Dies ist keine Kunst

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